Ein neues Leben(?)

Saturday, April 5, 2014

Dass ich psychisch krank bin, ist ja schon länger bekannt. Vor zwei Jahren habe ich mich auf Anraten meines Arbeitsvermittlers mit dem Alexianer Krankenhaus in Verbindung gesetzt und dort dann etwas später mit der Arbeitstherapie angefangen. Seitdem arbeite ich wirklich praktisch und kontinuierlich an meinen tatsächlichen Problemen, wobei es echt schwer war, erst mal zu erkennen, wo eigentlich meine Defizite liegen, da ich mich selbst ja auch nur so kenne, wie ich eben so bin. Wie ich dabei auf andere wirke und wie anders ich eigentlich bin, habe ich vorher nie erfahren. Mir hat ja auch keiner den Spiegel vorgehalten. 
Anfragen bei meiner (Ex-)Ärztin wie genau denn nun die Diagnosen heißen bzw. was die denn nun konkret für mich bedeuten, haben nichts ergeben. Besonders die Diagnose 'kombinierte Persönlichkeitsstörung' sagt eigentlich (nur so gestellt) nichts über meine Probleme aus. Am Anfang hat besagte Ärztin dann noch versucht, da was reinzuinterpretieren; naja, eine Diagnosestellung ist nicht einfach in der Psychiatrie, aber es kann doch nicht sein, dass nach 4 Jahren immer noch kein Plan vorhanden ist, was mich eigentlich so hindert, normal zu sein. 
Im Letzten Herbst wurde die Lady dann pampig und meinte einfach (um mir nicht sagen zu müssen, dass sie mit ihrem Latein am Ende ist) ich wäre einfach nur faul, weil ich könnte ja schon, wenn ich denn wollte. Die hat einfach nicht begriffen, dass ich eben nicht oder nur unter enormen Kraftaufwand kann, obwohl ich will! 
Als dann meine Mutter auf ADHS getestet werden sollte und bei meinem Sohn auch schon derartige Stimmen laut wurden, habe ich das der Ärztin natürlich mitgeteilt und gefragt, ob da möglicherweise was dran sein könnte. Sie hat das natürlich direkt verneint, aber gemeint, wenn meine Mutter das hätte, könnte man ja eine Diagnostik bei mir durchführen lassen. Okay, warte ich also mal ab, was bei Mama's Diagnostik so rumkommt.
Bis zu meinem nächsten Termin bei Frau Doktor hatte ich dann auch das Ergebnis meiner Mutter und hab der das dann natürlich brühwarm erzählt. Dumm gelaufen. Ihr Kommentar dazu lautete sinngemäß: 'Aha, Ihre Mutter hat also ADHS.' Ende. Auf meine Frage, ob denn nun vielleicht auch eine Diagnostik bei mir sinnvoll wäre, antwortete sie: (wieder sinngemäß) 'Sie haben kein ADHS. Sie sind nur faul.' Und dann redet die blöde Kuh an mir vorbei mit meiner Betreuerin (vom betreuten Wohnen) über mich, als wäre ich gar nicht da. Und bei dem, was die da gesagt hat, hab ich geschnallt, dass die überhaupt keinen Schimmer von mir und meinen Problemen hat. Die Berichte von meiner Therapeutin in der Arbeitstherapie hat sie vermutlich nicht mal gelesen. 
In dem Moment habe ich dann beschlossen, einen anderen Arzt aufzusuchen. Und wenn ich dafür Monate warten müßte. Mir egal. Zu der blöden Kuh geh ich nie wieder! Und ich bin nicht mehr hingegangen.
Ich hatte Glück und bekam ganz schnell einen Termin im ADHS-Zentrum im Alexianer Krankenhaus und ebenso bei einer anderen Psychiaterin hier in Aachen. Beide Ärztinnen haben mich ernst genommen und keine hat ADHS generell ausgeschlossen.
Donnerstag hatte ich nun meinen großen Tag, denn die Diagnostik war abgeschlossen und ich wurde mit der Diagnose konfrontiert, mit der ich mich zumindest nach Abschluß der Diagnostik schon mal angefreundet und auseinandergesetzt habe (das habe ich bei der Depression auch getan). 
Das Rezept für ein Medikament (es werden von den Krankenkassen bisher zwei übernommen) habe ich dann auch direkt in der nächsten Apotheke eingelöst. Und ehrlich: so wurde ich noch nie in einer Apotheke angesehen wie da. Die Apothekerin sieht das Btm-Rezept, die Augen weiteten sich wie in Panik, während sie im System checkt, ob das Medikament überhaupt vorrätig ist und erklärt mir leise und vorsichtig, sie müßte es aus dem Safe oder so holen. Die Dame sah aus, als hätte sie Angst, ich beiß ihr in den Hals oder so, wenn sie was 'Falsches' sagt. Zum Totlachen! Ich hab AD(H)S und nicht das Werwolfsyndrom (falls es das tatsächlich gibt).

Jetzt bin ich also in der Eindosierungsphase und mache so ganz kleine große Entdeckungen. Es geht also mit der kleinsten möglichen Dosis los und gestern hatte ich dann auch gleich das Gefühl, dass da was läuft. Nichts riesiges, glaub ich jedenfalls. Vielleicht war ich auch einfach noch voller Glückgefühl, endlich zu wissen was da los ist und dazu super motiviert, aber ich meine, mein Antrieb wäre direkt verbessert gewesen und ich habe dann auch zügig mit meiner Hausarbeit angefangen und dann gleich 3 Stunden am Stück gewuselt, ohne dass ich unterbrechen hätte müssen. Kein geistiges Verschnaufen und so. Total fokussiert. Sowas gab's noch nie bei mir!
Heute war's dann etwas nüchterner. Der große Anschub, blieb irgendwie aus, aber ich hab die Kapsel auch direkt vor dem Frühstück eingenommen und gestern erst danach... Mal schauen, wie's morgen läuft... Immerhin hab ich auch heute eine gewisse Konzentrationsfähigkeit gehabt und hier grad diesen megalangen Text fast fehlerfrei geschrieben. Außerdem hab ich trotzdem ein wenig Hausarbeit erledigt (Wäsche aufhängen, Fenster putzen, Gardinen waschen...

Seit ein paar Tagen bleiben Radio und Fernseher auch fast den ganzen Tag aus und das tut so unendlich gut. (Nicht nur, weil ich sonst so überreizt und in der Folge gereizt bin, sondern auch weil ich grad gegen einen grippalen Infekt kämpfe.)

Bis dahin,
Kati

0 Kommentare:

 
crafting kati. Design by Pocket